Zwei Wochen mitten im Refugio – den Alltag erleben, statt nur davon zu hören
Mein Name ist Manu und seit einigen Jahren nutze ich regelmäßig die Möglichkeit, als Freiwillige eine Woche im Refugio mitzuarbeiten. In dieser Zeit habe ich bereits viele besondere Erfahrungen gesammelt und immer wieder erlebt, mit wie viel Herzblut und Engagement hier jeden Tag gearbeitet wird. Dieses Jahr wurde erstmals ein zweiwöchiger Freiwilligeneinsatz angeboten – eine Gelegenheit, die ich sofort genutzt habe. Denn eine Woche vergeht oft viel zu schnell, wenn man mitten im Geschehen ist und die Arbeit des Refugios hautnah erlebt.
Wer einem Tierschutzverein auf Social Media folgt oder die Berichte über gerettete Tiere liest, bekommt meist nur einen kleinen Einblick in die Arbeit, die dahintersteckt. Als Freiwillige durfte ich während der Freiwilligenwochen vom 17. bis 29. Mai 2026 genau das erleben, was sonst oft verborgen bleibt: den echten Alltag im Refugio – mit allen Herausforderungen, Emotionen, körperlicher Arbeit und unzähligen schönen Momenten.
Gemeinsam mit Aleksandra aus der Schweiz reiste ich nach Sevilla. Da wir beide aus der Schweiz kamen, hatten wir denselben Flug. Nach der Ankunft durfte ich mit ihr im Mietwagen nach Carmona fahren. Die Strecke vom Flughafen Sevilla zum Refugio dauert nur etwa 20 bis 25 Minuten und ist auch für Erstbesucher gut zu bewältigen.
Am späten Abend wurden wir von Carmen und Manu und natürlich den tierischen Bewohnern herzlich empfangen. Obwohl es bereits fast halb zehn Uhr war, wollten wir vor dem Einzug in die Freiwilligenwohnung noch kurz bei den Katzen vorbeischauen. Ein schöner erster Moment, der sofort das Gefühl vermittelte, wieder angekommen zu sein.
Den Alltag wirklich erleben
Was die Freiwilligenwochen für mich so besonders macht, ist die Möglichkeit, den Alltag im Refugio nicht nur zu sehen, sondern selbst ein Teil davon zu sein.
Man erlebt hautnah, was es bedeutet, Tag für Tag für so viele Tiere Verantwortung zu tragen. Man sieht, wie viel Arbeit hinter jeder Rettung, jeder Vermittlung und jedem einzelnen Beitrag in den sozialen Medien steckt. Dinge, die von außen oft selbstverständlich wirken, sind in Wirklichkeit das Ergebnis eines enormen täglichen Einsatzes.
Der Arbeitstag beginnt früh. Bereits um 7 Uhr startet die erste Schicht. Medikamente werden verabreicht, Hunde aus den Innenboxen in die Außengehege gebracht und die ersten Arbeiten erledigt. Um 8 Uhr beginnt das zweite Team und unterstützt bei den weiteren Aufgaben.
Erst wenn man selbst vor Ort mitarbeitet, versteht man die Dimensionen dieser Arbeit wirklich. Täglich müssen mehrere Katzenzimmer, das Freigängerhaus der Katzen, die Stallungen für Pferde, Ponys, Esel und Truthähne, die Hundehalle sowie die Mamazone mit Klinik, Quarantäne und Büro gereinigt werden.
Dazu kommen täglich rund 120 Kilogramm Wäsche. Decken, Handtücher und Bettwäsche müssen gewaschen, getrocknet und wieder verteilt werden. Die Waschmaschinen laufen praktisch den ganzen Tag.
Nach dem Mittagessen werden die Hunde wieder in ihre Boxen gebracht. Anschließend erfolgt die Reinigung der Innen- und Außengehege. Manche Bereiche werden nass gereinigt, andere mit Rechen, Harke und Schaufel von Hand gesäubert.
Teamarbeit, die beeindruckt
Während meines Aufenthalts wurde mir erneut bewusst, wie wichtig jedes einzelne Teammitglied ist. Wenn Mitarbeitende fehlen, ist das sofort spürbar. Dann braucht es Flexibilität, Übersicht und vor allem Teamarbeit.
Besonders beeindruckend finde ich immer wieder die Offenheit des Teams. Auch ohne Spanischkenntnisse fühlt man sich willkommen. Mit Händen, Füßen, einem Lächeln und etwas Kreativität klappt die Verständigung erstaunlich gut.
In der zweiten Woche kamen weitere Freiwillige dazu. Michaela unterstützte einige Tage während ihres Familienurlaubs. Am Mittwochabend stieß Barbara zu uns und am Donnerstagmorgen kam Sarah. Zusätzlich waren auch Verwandte von Carmen vor Ort.
Plötzlich waren wir eine große Gruppe motivierter Helferinnen und Helfer – eine Gelegenheit, die Carmen sofort erkannte.
Wenn viele Hände Großes bewegen
Jeden Morgen trafen wir uns um 7.30 Uhr im Büro. Carmen teilte die Teams ein und legte fest, wer in welcher Zone arbeitet. Sobald ein Bereich fertig war, meldeten wir uns und unterstützten dort, wo Hilfe benötigt wurde.
Neben dem täglichen Betrieb konnten wir zahlreiche Projekte umsetzen, die im normalen Alltag oft nicht möglich sind.
Ein großer Schwerpunkt war die Pflege der Außenanlagen. Gemeinsam entfernten wir Unkraut rund um die Hundeausläufe, entlang der Wege, bei den Katzengehegen und außerhalb des Refugios. Dadurch entstand eine wichtige Brandschneise, die in Andalusien lebenswichtig sein kann.
Wer die Region kennt, weiß, wie schnell sich ein Feuer ausbreiten kann. Bereits im vergangenen Jahr gab es auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Brand. Deshalb hat die Brandprävention höchste Priorität.
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Doch das war längst nicht alles:
- Der Sichtschutz rund um das Refugio wurde erneuert und neu befestigt.
- In den Hundeausläufen wurden zahlreiche Löcher mit Beton verfüllt und mit Sand abgedeckt, um Verletzungen zu vermeiden.
- Der Bachlauf wurde gereinigt.
- Sonnensegel wurden montiert, damit die Tiere zusätzliche Schattenplätze erhalten.
- Bei den Pferdeboxen entstand ein neuer Durchgang, der die tägliche Arbeit erheblich erleichtert.
- Im Freigängerhaus der Katzen wurde ein zusätzlicher Raum für Notfälle geschaffen.
- Eine neue Sprinkleranlage für die Hundegehege konnte dank einer großzügigen Spende von Barbara installiert werden.
- Aus Paletten entstanden praktische Regale für Besen, Werkzeuge und Arbeitsmaterial.
- Das Deckenlager wurde komplett neu organisiert, aussortiert, gewaschen und nach Sommer- und Winterdecken sortiert.
Kreativität für die Katzen
Ein besonderes Highlight war die Gestaltung eines Außengeheges für die Katzen.
Wir durften vorhandene Materialien nutzen und unserer Kreativität freien Lauf lassen. Selbst ein großer Baumstamm wurde integriert. Anfangs sorgte das bei einigen Teammitgliedern noch für fragende Blicke. Doch schon kurze Zeit später zeigte sich, wie begeistert die Katzen ihr neues Umfeld annahmen.
Solche Momente machen unglaublich glücklich. Zu sehen, wie die Tiere von den Verbesserungen profitieren, ist eine der schönsten Belohnungen für die geleistete Arbeit.
Arbeiten bei fast 40 Grad
All diese Arbeiten fanden bei Temperaturen zwischen 34 und fast 40 Grad statt.
Für uns Freiwillige war das durchaus eine Herausforderung. Ausreichend trinken, Sonnencreme und eine Kopfbedeckung waren tägliche Begleiter.
Umso schöner war es, direkt im Refugio wohnen zu können. Die Freiwilligenwohnung ist vollständig ausgestattet und bietet alles, was man nach einem langen Arbeitstag benötigt: eine Küche, einen großen Kühlschrank, ein modernes Badezimmer, Waschmaschine und Trockner.
Besonders genossen habe ich die ruhigen Momente am frühen Morgen bei Sonnenaufgang und die gemeinsamen Abende auf der gemütlichen Sitzgruppe vor der Freiwilligenwohnung. Nach einem arbeitsreichen Tag war dies der perfekte Ort, um zusammenzusitzen, die Erlebnisse des Tages zu teilen und den Abend inmitten der Geräusche und der besonderen Stimmung des Refugios ausklingen zu lassen. Gerade diese gemeinsamen Stunden haben den Zusammenhalt unter uns Freiwilligen noch einmal gestärkt und gehören zu meinen schönsten Erinnerungen an diese zwei Wochen.
Auch die Versorgung ist unkompliziert. In Carmona findet man alles, was man für den täglichen Bedarf benötigt. Ein kleiner Ausflug führte uns sogar nach Sevilla, um zusätzliches Material für die laufenden Projekte zu besorgen.
https://youtu.be/Mcjw5iBeNhY
Die Realität hinter dem Tierschutz
Was ich an den Freiwilligenwochen besonders schätze, ist die Möglichkeit, die Realität des Refugios live mitzuerleben.
Man sieht nicht nur die geretteten Tiere oder die schönen Geschichten. Man erlebt auch die tägliche Arbeit, die Sorgen, die Verantwortung und die Herausforderungen, die hinter jedem einzelnen Tier stehen.
Man versteht plötzlich, warum Unterstützung so wichtig ist. Warum jede Spende zählt. Warum Helfer vor Ort unverzichtbar sind.
Gleichzeitig erlebt man aber auch die unglaubliche Dankbarkeit der Tiere, die Freude über kleine Fortschritte und den außergewöhnlichen Zusammenhalt eines Teams, das jeden Tag alles gibt.
Zwei Wochen, die bleiben
Diese zwei Wochen waren weit mehr als freiwillige Arbeit.
Sie waren eine intensive Erfahrung, die mir einmal mehr gezeigt hat, was hinter dem Tierschutz wirklich steckt. Ich durfte den Alltag des Refugios nicht nur beobachten, sondern aktiv mitgestalten. Ich habe erlebt, wie aus vielen kleinen Handgriffen große Veränderungen entstehen und wie viel man gemeinsam erreichen kann.
Der Zusammenhalt in unserem Team war außergewöhnlich. Jeder gab sein Bestes, oft sogar noch ein bisschen mehr. Die Ergebnisse, die wir in diesen zwei Wochen erreicht haben, waren beeindruckend und werden den Tieren noch lange zugutekommen.
Wer das Refugio wirklich kennenlernen möchte, dem kann ich einen Freiwilligeneinsatz nur ans Herz legen. Keine Fotos, keine Videos und keine Berichte können vermitteln, was man vor Ort erlebt.
Erst wenn man selbst morgens die Hunde begrüßt, Katzen versorgt, gemeinsam Projekte umsetzt und abends erschöpft, aber glücklich zusammensitzt, versteht man wirklich, was dieses Refugio ausmacht.
Und genau deshalb werde ich ganz bestimmt wiederkommen.
Eure Manu ❤️
Freiwilligeneinsatz Mai 2026 – gemeinsam mit Aleksandra, Michaela, Barbara, Sarah, Carmen, dem gesamten Team und natürlich den wundervollen Tieren des Refugios.